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Waldbaden – Lieber Wald als W-LAN

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Waldbaden – Lieber Wald als W-LAN

Goethe - erster westlicher Wegbereiter für Shinrin Yoku?

Dem späteren Geheimrat und Verfasser des West-Östlichen Diwans ist bekanntlich allerhand zuzutrauen – aber was hat er mit Shinrin Yoku, dem Waldbaden zu tun, das in Japan als Medizin gilt?

Das kürzlich erschienene Buch: Der Atem der Welt – Johann Wolfgang Goethe und die Erfahrung der Natur von Stefan Bollmann ( Stuttgart 2021, Klett-Cotta) inspiriert und animiert uns zu einer losen Folge von Texten, in denen es um die Beziehung des Menschen zur Natur und die daraus möglicherweise erwachsenden gesundheitsfördernden und resilienzstärkenden Aspekte geht.

Also: Lieber mal öfter Wald als immer nur W-LAN!

Das nehmen wir uns zu Herzen und legen direkt los mit einer Episode eines unserer größten Dichter und Denker.

Von W-LAN hatte der 15- jährige Johann Wolfgang von Goethe natürlich im Jahre 1761 keinen blassen Schimmer. Kaum auszudenken, zu welcher Form der Dichter, Schriftsteller und Universalinteressierte im Laufe seines unfassbar produktiven Lebens noch gelangt wäre, wenn er sich dieser Form der Wissensverfügbarkeit hätte bedienen können.

Er wurde in Frankfurt in ein wohlhabendes, ihn sehr förderndes Elternhaus geboren. Er hatte Privatunterricht und lernte früh viele Sprachen.

Und früh, sehr früh, merken er und andere, dass er schreiben kann:

„Gebt ihm ein Thema auf, und er macht euch ein Gedicht aus dem Stegereif.“

(a.a.O., S. 56)

Goethe wird eingeladen zu Festen, bei denen ad hoc Verse gereimt werden. Er erledigt das mit Bravour. Brenzlig wird die Sache allerdings, als er einen Liebesbrief verfassen soll, das auch macht und sich tatsächlich in das Mädchen verliebt, das die Empfängerin des Briefes ist.

Es liegt kein Segen über diesen frühen öffentlichen Auftritten: der Veranstalterkreis wird zerschlagen, sein Gretchen muss die Stadt verlassen und lässt einen Teenager mit Herzeleid zurück.

Goethe bekommt zur Beaufsichtigung einen Hofmeister/ Hauslehrer und die Erlaubnis, die Stadt für Wanderungen zu verlassen. Er durchstreift ausgiebig die umgebenden Wälder und Haine des Taunus und zieht schon unbewusst weitsichtig die belaubten Haine den einförmigen Fichten vor. Zum Verweilen sucht er sich Laubbäume aus, die Schatten spenden und dennoch Blicke in den Himmel ermöglichen.

Er versenkt sich in seine grüne, natürliche Umgebung und scheint dadurch wieder in Balance zu geraten.

„Er nimmt Waldbäder, um die seelischen Wunden seiner unglücklichen Liebe ausheilen zu lassen. Was beim jungen Goethe aus Intuition geschah, ist inzwischen neurowissenschaftlich erforscht: Nichts senkt das Stresslevel zuverlässiger als draußen in der Natur zu sein. Ein Aufenthalt an der frischen Luft unter dem im Wind rauschenden, im Licht flimmernden Blätterhimmel reguliert sogar die Aktivität in einem Bereich des Gehirns herunter, der aktiv ist, wenn wir grübeln.“

 ( a.a.O., S. 59)
Waldbaden – Lieber Wald als W-LAN

Waldbaden - Shinrin Yoku - was bringt das Eintauchen in den Wald?

Die Japaner sind hier forschungsmäßig “first mover”:

Sie eröffneten 2006 ein Zentrum für Waldtherapie und es gibt inzwischen eine Facharztspezialisierung „Waldmedizin“. Sie sind sicher: Der Wald tut uns gut, weil er würzig riecht, das Licht milde und die Luft klar ist, die Wipfel im Wind wiegen und der Boden federt.

Und, weil er archetypisch im kollektiven Unbewussten Heimat verkörpert. Er ist die Urheimat der Urmenschen. In Studien zeigt sich, dass Menschen abwechslungsreiche Landschaften bevorzugen, Grünflächen mit Bäumen, Wälder mit Lichtungen.

Und im Wald gibt es haufenweise Botenstoffe der Bäume, die Terpene.

Über Terpene kommunizieren Pflanzen und helfen sich gegenseitig bei der Feindabwehr – aber das ist eine neue Geschichte…😉

Shinrin Yoku: So geht Waldbaden - Eine Anleitung in 10 Schritten

1.
Schlendern:

Gehe langsam und gemütlich spazieren. Streckenverkauf, Ziel und Dauer sind nicht festgelegt.

2.
Rasten:

Halte inne, verausgabe Dich nicht. Lege rechtzeitig Pausen ein. Lass die Seele nachkommen.

3.
Wahrnehmen:

Erlebe, was Dich umgibt, aber ohne Leistungsdruck. Staune, genieße die Formen, Farben, Gerüche und Geräusche des Waldes. Leg Dich ins Laub, sonne dich. Berühre eine Rinde, lehne dich an einen Stamm, setze Dich auf einen Baumstumpf. Probiere junge Blätter, die du kennst. Entdeckst Du einen Bach, schau aufs Wasser, kühle Deine Füße.

4.
Ausprobieren:

Gehe mit offenem, wachem Blick, entdecke Bekanntes neu. Lege ein Mandala, flechte Gräser, sammle Steine, Eicheln oder Kastanien, suche Dir einen schönen Spazierstock.

5.
Sanfte Bewegung:

Balanciere über Stämme, hüpfe über Stümpfe. Wenn Du kannst, übe Yoga – der Körper bekommt so mehr Sauerstoff.

6.
Achtsamkeit:

Sei mit deiner Aufmerksamkeit im Moment, staune vorbehaltlos, nimm Eindrücke wertfrei wahr.

7.
Augenentspannung:

Schau in die Ferne: Genieße das Grün des Waldes, entlaste Deine monitormüden Augen.

8.
Atemübungen:

Setzte Dich an einen schönen Platz, und beobachte Deinen Atem, lass ihn kommen und gehen.

9.
Meditation:

Sammle dich, beruhige deinen Geist, dann findest Du zur Ruhe. Anfänger lassen sich anleiten.

10.
Stille:

Schweige, träume und genieße das Alleinsein.

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